Jetzt wird es richtig spannend: Die Wahrheit über ‚Now That's What I Call Music! 27‘

Jetzt wird es richtig spannend: Die Wahrheit über ‚Now That's What I Call Music! 27‘

Wer hätte gedacht, dass ‚Now That's What I Call Music! 27‘ von 2008 sowohl das musikalische als auch kulturelle Klima der damaligen USA einfangen würde. Diese Compilation war mehr als nur eine Sammlung von Hits, sie war ein Symbol der Zeit.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer hätte es gedacht? Das Jahr 2008 brachte uns nicht nur die Finanzkrise, sondern auch einen musikalischen Knall, der im wahrsten Sinne des Wortes weltweit für Aufsehen sorgte: ‚Now That's What I Call Music! 27‘ der amerikanischen Serie. Diese Compilation, veröffentlicht am 11. März 2008 in den Vereinigten Staaten, war das Sammelbecken für die angesagtesten Chart-Hits jener Zeit, als Pop und R&B die Radiosender dominierten und MySpace-Stars plötzlich vor dem Aus standen.

Kommen wir also zum Punkt, warum dieses Album so besonders ist. Mit Künstlern wie Flo Rida, Chris Brown und Beyoncé vermittelte es ein einzigartiges Gefühl jener Ära, als Social Media noch die Domäne der Millennials war und Viralität am Ende des Tages die Kirsche auf dem Kuchen darstellte. Wer hätte gedacht, dass ein solcher Mix die Musikwelt dermaßen verändern könnte? Aber zugegeben, während sich einige überzeugen ließen, dass der ‚American Dream‘ noch lebendig ist, sehen andere nur den globalen Einheitsbrei.

Beginnen wir bei Flo Rida und seinem Track „Low“. Ein Lied, das die Club-Landschaft auf den Kopf stellte und fast jede Tanzfläche füllte. Dennoch, schaut man genauer hin, sieht man in dem Song eine Glorifizierung der Konsumgesellschaft, die sich vollständig den hedonistischen Idealen unterwirft. Trotzdem war es dieser Hedonismus, der die Menge euphorisch machte und dem unbeschwerten Lebensstil ein Gesicht gab. Ob das wirklich der richtige Weg war, wage ich zu bezweifeln.

Chris Brown, damals noch ziemlich unangefochten im Business, bringt uns „With You“. Auffällig ist, wie seine Ballade massentauglich und universell akzeptiert wurde. Das zeigt, wie sehr eine simple Melodie und eingängige Lyrics verfangen, um das Streben nach Mainstream-Akzeptanz zu präsentieren. In Zeiten, in denen ‘Woke Culture‘ noch in ihren Anfängen steckte, war dieser Track ein Rückzug in die heile Welt der Beziehungen, die ohne Schwierigkeiten auszukommen schienen.

Dann haben wir Beyoncé mit „Irreplaceable“. Ein Song, der voller Selbstbewusstsein strotzt und das Selbstverständnis der unabhängigen Frau propagiert. Doch sprechen wir von Unabhängigkeit, wenn man doch so leicht in das gleiche System zurückfällt, das eben diese Frauen unterdrückt? Es ist genau diese Ironie, die im Musikgeschäft als ständiger Begleiter zu finden ist und die selbst die besten Beweggründe zu einer Karikatur ihrer selbst macht.

‚Now That's What I Call Music! 27‘ ist eine Kassette voller Widersprüche und übersteigertem Optimismus. Immer wieder stellen sich einem die Fragen: Ist es eine Reise in die Vergangenheit der glorreichen Chart-Stürmer, die in enorm durchkommerzialisierten Zeiten erfolgreich wurden? Oder ist es ein Spiegelbild der Verhaltensweisen, die in den Augen mancher die Menschheit in den Abgrund führen?

Sicher ist jedenfalls, dass diese Compilation weit mehr als nur eine Sammlung von Hits ist. Sie erfasst den kulturellen Pulszustand einer turbulenten Zeit, in der die USA einerseits von einem Finanzcrash erschüttert wurden, zugleich aber auch eine neue Ära der Popkultur erlebten. Ein Symbol für den ewigen Kreislauf von Erfolg und Scheitern.

Für viele bleibt diese Sammlung ein nostalgisches Erbe. Besonders in einer Zeit, in der die Liberalen sich zunehmend über jede Ausdrucksmöglichkeit echauffiert haben, war der ständige Wunsch nach musikalischer Flucht und simpler Unterhaltung der größtmögliche Rebellenakt. So bot das Album eine Art von Ablenkung, die in der öffentlichen Wahrnehmung selten angezweifelt wurde.

Vielleicht war es auch der Beginn von etwas anderem – einer Ernüchterung über die Konsumgesellschaft und die Erkenntnis, dass Hits wie diejenigen auf ‚Now That's What I Call Music! 27‘ letztendlich auch eine kritische Betrachtung der kulturellen Gegebenheiten forderten. Die Bedeutung solcher Compilations, ist letztlich Ansichtssache und liegt im Ohr des Hörers.